Der klassische Zugang zu einer Universität erfolgt über die Eintrittskarte namens Hochschulreife. Um studieren zu können, büffeln sich die meisten Schüler zwölf Jahre lang durch das Gymnasium. Mit dem schwer verdienten Abitur bewerben sie sich um den begehrten Studienplatz, und das lang ersehnte Studentenleben kann beginnen. Im Seminar kommt bisweilen ein Staunen auf, wenn der Studienanfänger dann feststellt, dass einige seiner Kommilitonen ohne Hochschulreife an die Uni gekommen sind, und er fragt sich, wie das denn wohl geht.

Viele Wege führen zum Ziel

Es gibt tatsächlich verschiedene Möglichkeiten, um die heiligen Hallen des Wissens betreten zu dürfen. Neben der allgemeinen Hochschulreife gibt es noch das Fachabitur oder das fachgebundene Abitur, welches zu einer akademischen Ausbildung befähigt. So weit, so gut. Aber ganz ohne Abitur? Wie ist das nur möglich? Das Geheimnis heißt Berufserfahrung. Die Zugangsvoraussetzungen unterscheiden sich dabei in den jeweiligen Bundesländern und an den verschiedenen Hochschulen. Beruflich Qualifizierte haben mehrere Möglichkeiten, an die Uni zu kommen. Für beruflich besonders Qualifizierte ist ein direkter Zugang möglich, wenn die Meisterprüfung oder eine vergleichbare Qualifikation, etwa der Fachwirt, absolviert wurde. Dadurch fallen Einstellungsprüfungen und Zugangstests weg. Mit einem normalen Berufsabschluss ohne Zusatzausbildung, dafür jedoch mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung, kann der Hochschulzugang nach bestandener Zulassungsprüfung gewährt werden. An einigen Hochschulen wird eine Art Probestudium angeboten. Dieses kann zwischen zwei und vier Semestern dauern. Wurde es erfolgreich durchlaufen, kann der Student sein Studium durchziehen. Eine weitere Möglichkeit bietet sich im Rahmen der Begabtenförderung an. Hier wird eine Prüfung ähnlich dem Abitur abgelegt, nach deren Bestehen der Berufserfahrene die Hochschulreife erlangt und anschließend zum Hochschulstudium zugelassen werden kann.

Nicht-Abiturient, dafür aber Hochschulabsolvent mit dem Plus an Erfahrung

Für Berufstätige wird der Einstieg in die Uni immer einfacher. Es gibt verschiedene Fortbildungsprogramme, die Berufserfahrung voraussetzen. Inzwischen werden sogar Masterstudiengänge angeboten, die keinen Bachelor, dafür aber Berufspraxis erfordern. Auch Online-Weiterbildungen, die perfekt in den Arbeitsalltag integriert werden können, gewinnen an Bedeutung. Die Anzahl der Studenten, die ohne Abi an der Uni sind, nimmt exponentiell zu. Es scheint sogar trendy zu sein, noch mal die Schulbank zu drücken. Um qualifizierte Nachwuchskräfte auszubilden, werden die Zugangsmöglichkeiten für beruflich qualifizierte Bewerber immer besser, was die Nachfrage steigen lässt. Ein Nachholen der Fachhochschulreife wird damit überflüssig. Durch das Etablieren eigener Bestimmungen und Zulassungsvoraussetzungen an den Hochschulen wird ein Überlaufen vermieden und die Chance denjenigen Bewerbern gegeben, die wirklich auch wollen. Bestimmte Studiengänge bleiben dennoch auch für Nicht-Abiturienten tabu, wie etwa ein Studium der Humanmedizin. Allgemein lässt sich feststellen, dass an den Universitäten die Zugangsvoraussetzungen in der Regel strenger sind als an privaten Hochschulen und an Fachhochschulen. Beruflich Qualifizierte haben dort noch bessere Karten als an staatlichen Unis. Das liegt daran, dass diese Institutionen über Erfahrungen mit Nicht-Abiturienten verfügen. Ist das Studium schließlich geschafft, haben Hochschulabsolventen ohne Abitur ihren Kommilitonen die so wichtige Berufspraxis voraus, die sie für den Arbeitsmarkt sehr interessant macht.

„Hochschulstudium ohne Abi: Chancen der Weiterbildung"
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